Übertriebene Härte gegen Klimaaktivisten

Erinnert sich noch jemand an „Die Letzte Generation“? Klimaaktivisten die dadurch bekannte wurden, dass sie sich auf deutschen Autostraßen festgeklebt haben. Die wurden ja teilweise als terroristische Organisation eingeordnet. – Absolut übertrieben!

Die Nachfolgerorganisation „Widerstandskollektiv“ nun eine ähnlich schlimme Tat begangen. Es wurden im Oldenburger Bahnhof Plakate mit Tesa-Film (!) an Werbetafeln geklebt. Die Plakate sahen aus, als wenn sie von der Deutschen Bahn stammen. Dort wurde eine baldige Kostenfreiheit der Bahn versprochen.

Natürlich ist diese sogenannte Adbusting nicht in Ordnung. Da muss was gemacht werden. Und die Polizei wurde aktiv. Und wie. Neun Polizisten rückten früh morgens zu eine Hausdurchsuchung an.

Was war eigentlich der Tatvorwurf? Sachbeschädigung? Einschränkung der Einnahmen des Werbevermarkters? Terrorismus? Nein, es musste mal wieder das Urheberrecht herhalten. Die Plakate wurden das Urheberrecht der Deutschen Bahn verletzen, weil das Design imitiert wurde.

Und dafür eine Hausdurchsuchung. Das ist völlig übertrieben. Und der Tatvorwurf „Urheberrechtsverletzung“ ist ja auch ziemlich an den Haaren herbeigezogen.

Die KI wird uns alle umbringen

Der KI-Hype wird immer schlimmer. Seit ein paar Jahren drehen alle Investoren durch. Seit ChatGPT veröffentlicht wurde, ist anscheinend unendlich viel Geld dar. Hunderte Milliarden werden in KI-Firmen, Chip-Hersteller oder Rechenzentrumsbetreiber gepumpt. Alle wollen sie dabei sei, alle wollen sie am Ende das Geschäft ihres Lebens machen. Es scheint keine Grenzen zu geben, alles scheint machbar. Riesige Komplexe von Rechenzentren werden aus dem Boden gestampft. Strom kommt entweder aus reaktivierten Kernkraftwerken oder man baut gleich Reihen von Gasgeneratoren neben die Rechenzentren. Das Kühlwasser? Wird irgendwo hergeholt. Egal ob es dann woanders fehlt.

Aber egal, dann erzählt man einfach, dass man mittels KI ja die Energiewende schaffen und den Klimawandel stoppen könnte. Ne, die Energiewende scheitert nicht am Wissen, sondern am Wollen. Die Techniken sind bekannt und vorhanden. Für eine Lösung muss man nicht noch mehr fossile Energieträger verbrennen.

Der ganze Ausbau von KI-Rechenzentren passiert in einem unglaublichen Tempo. Dabei haben die eigentlichen KI-Anbieter noch nicht einen Cent Gewinn gemacht. Egal, es wird ja auf die Zukunft gewettet. Schließlich soll das die DIE Technologie sein, die demnächst alles erledigt. Dann brauchen die Firmen keine Mitarbeiter mehr. Alles wird durch künstliche Intelligenz erledigt. So jedenfalls die Vorstellung.

Nur: wenn es keine Angestellten gibt, wer soll denn am Ende all die schönen Sachen kaufen, die dank KI ohne menschliche Hilfe produziert werden? Bei den AI-Bros scheint es keine Menschen zu geben, die auch nur einen Hauch von Volkswirtschaft verstehen.

Ich halte die ganze Euphorie um die KI für maßlos übertrieben. Ja, die Sprachmodelle können viel. Nur kranken sie an manch grundlegenden Problemen. Die Modelle präsentieren einfach souverän ihre Antwort, auch wenn die Fakten völlig falsch sind. Die neuen Modelle liefern sogar noch die falschen Quellen dazu. Aber solche Blendermentalität ist ja in vielen Führungskreisen gern gesehen.

Und plötzlich scheint Diebstahl von geistigem Eigentum völlig legitim, nachdem früher jeder Schüler der ein paar Songs über Napster getauscht hat, eine kostenpflichtige Massenabmahnung bekommen hat.

Nun grasen Scraper das komplette Internet ab und sacken alles ein, was sie zu fassen bekommen; als Trainingsdaten für die KI-Modelle. Und die gehen richtig dumm vor. So werden etwa seit einiger Zeit die Server von OpenStreetMap (OSM) massiv von diesen Scrapern belastet. Die KI-Modelle brauchen ja Input, also einfach alles saugen. Dabei gibt es OSM den kompletten Datenbestand in einem kompakten (aktuell 87 GB) Dump zu runterladen. Völlig kostenfrei. Sind ja freie Daten. Aber so etwas kommt in den Hirnen der AI-Bros wohl nicht vor. Und man müsste sich auch Gedanken machen. Also lieber alle Server im Internet belasten. Deswegen sieht man ja immer mehr Captchas, etwa von Cloudflare, bevor man überhaupt von dem Webserver was sieht.

Wer mit offenen Augen durch das Internet wandert, wird merken, dass ein großer Teil von Websites mittlerweile nur noch KI-generierten Schrott ausliefern. Auch Medienhäuser bedienen sich KI-Tools. Und dieser KI-generierte Schrott wird wieder als Input für neue und größere KI-Modelle als Training genutzt. Wenn das nicht raus gefiltert wird, werden die Modelle dann immer schlechter.

Zwischendurch gab es Unternehmen, die ihre Mitarbeiter angehalten haben, man solle möglichst viel KI einsetzen; das sogenannte Tokenmaxxing. Für was und was am Ende herauskommt, ist zweitrangig. Man setzt einfach darauf, dass KI schon was Gutes liefern wird und man will ja besser sein als Konkurrenten, als ganz viel KI auf das eigene Produkt werfen.

Viele Unternehmen haben dann aber doch festgestellt, dass dieses Prinzip vielleicht doch nicht so gut ist und einfach nur eine Menge Geld kostet.

Ich denke, es ist auch nicht sinnvoll, überall KI-Tools einzusetzen. Das wird bei uns Menschen am Ende zu einem Verlust von Fähigkeiten führen. Wer denkt denn schon nach, wenn eine Antwort in beliebiger Tiefe nur einen Prompt entfernt ist? Ob die Antwort stimmt oder nicht, können wir dann nicht mehr beurteilen. Die Menschheit wird verdummen.

Wir werden auch nicht mehr wissen, was wahr oder falsch ist. Massenhaft erzeugte Videos oder Bilder werden das Internet überschwemmen. Ob nun als „Spaßvideos“ oder gezielte Desinformation.

Und mit der IT-Sicherheit wird auch nicht mehr so gut aussehen. Aktuell werden massenhaft mehr oder weniger kritische Sicherheitslücken in praktisch jeder Software durch KI-Modelle gefunden. Dabei darf man ruhig bezweifeln, dass alle Lücken gemeldet und behoben werden.

Zeitweise wurden einige Modelle ja als so gefährlich eingestuft, dass der Zugang von der US-Regierung gesperrt wurde. Natürlich nur Nicht-US-Bürger; das sind ja alles potentielle Terroristen, während so ein US-Bürger niemals etwas Böses im Schilde führen würde.

Ganz „toll“ sind ja auch KI-Agenten. Das sind Chat-Bots, denen man die Möglichkeit gibt andere Ressourcen eines Systems nutzen. Also etwa Zugriff auf Dateien und Programme auf einen Computer. Man stellt dem Agenten eine Aufgabe und die soll er irgendwie mit den eingeräumten Rechten lösen. Wie er das schafft und ob das Ergebnis das Gewünschte ist, ist wie immer bei KI-Einsatz fraglich.

Wenn es selbst die größten Anbieter OpenAI und Anthropic nicht schaffen, ihre eigenen Modelle in Testumgebungen unter definierten Bedingungen unter Kontrolle halten und andere Unternehmen schädigen, dann sollte man davon wirklich absehen, einem Chat-Bot mehr Kontrolle über Systeme zu geben. Ich finde, KI-Agenten sind Schadsoftware, die man selbst installiert. Damit sind sämtliche IT-Sicherheitsregeln und -maßnahmen hinfällig. Und es gab ja auch immer wieder Meldungen, wo ein KI-Agent mal so eine Produktivdatenbank eines Unternehmens gelöscht hat.

Aber alle schreien „Hurra“ und loben die neue Technik und dann werden noch mal ein paar hundert Milliarden in KI-Markt hineingepumpt. Man will ja dabei sein und nicht zu spät kommen. Das Ganze ist so absurd. Die Erwartungen sind so dermaßen hoch, dass eigentlich Jedem klar sein sollte, dass das Ganze nicht funktionieren kann. Die einzigen, die Reibach machen sind Nvidia. Die verkaufen ihr Chips zu Mondpreisen. Allerdings stecken sie einen Teil des Geldes dann auch wieder in die KI-Unternehmen, damit diese wieder Nvidia-Chips kaufen können. Hurra! Wir haben ein wirtschaftliches Perpetuum Mobile erfunden.

Es bliebt ja auch die Frage, womit am Ende Geld verdient werden soll. Es man bereits KI-Modelle, die man runter laden und auf eigener Hardware betreiben kann (z.B. mittels LM Studio). Das sollte auch immer die bevorzugte Lösung sein, denn so bleiben die eigenen Daten privat. Alles was man den KI-Firmen irgendwie als Input hinwirft kann und wird weitergenutzt.

Ich persönlich hoffe, dass die KI-Blase demnächst platzt und alle Investoren mal zurück in die Realität geholt werden. Dass die RAM-Preise für Endverbraucher sich dann zügig wieder normalisieren (sie haben sich in den letzten 12 Monaten vervierfacht) wird ja trotzdem bezweifelt. Die Hersteller haben ihre Produktion schon die nächsten 12 Monate oder mehr praktisch nur auf Speicher ausgelegt, der in KI-Rechenzentren genutzt werden kann.

Und dann muss man sich mal überlegen, wer eigentlich hinter dem KI-Hype steht. Wer will davon profitieren? Es vor allem die üblichen Tech-Bros und Milliardäre. Und wenn die etwas so sehr wollen, dann kann man sich ziemlich sicher sein, dass es nicht gut für die Menschheit sein wird.

Fassen wir also zusammen:

  • Massenhaft Energie und Ressourcen werden in KI-Rechenzentren gesteckt.
  • Es wird wahnsinnig viel Geld in KI-Unternehmen gepumpt, was woanders (z.B. Energiewende) sinnvoller investiert wäre.
  • Die Menschheit wird verdummen.
  • Desinformation wird überwiegen.
  • Die Machtposition der Tech-Elite verstärkt sich.
  • Unsere IT-Infrastruktur wird durch KI-Bots („Agenten“) zerstört.

Ich hoffe, dass KI-Blase möglichst bald platzt.

Unkontrollierte Fußballgewalt

Ich interessiere mich nicht für Fußball, meine Kinder aber schon. Deswegen war ich am Wochenende mal wieder im Fußballstadion. Erste Runde DFB-Pokal, Phoenix Lübeck gegen SC Paderborn.

Was ich da vor dem Anpfiff am Spielfeldrand gesehen habe, hat mich mehr als erstaunt.

Da klettern einige Paderborn-Fans vermummt auf den Absperrzaun, mit Fackeln in der Hand und die Ordner ignorieren das völlig.

Was dann kam war klar. Die Mannschaften liefen auf Feld und die Paderborner zündeten ihr Feuerwerk. Dichte Rauchschwaden zogen über das Spielfeld. Die Sicht war extrem eingeschränkt. Man sah kaum noch die Spieler und die Einlaufkinder.

Nach dem Spektakel kam dann noch eine Ansage, man möchte doch das Abbrennen von Pyrotechnik unterlassen, da sei gefährlich und zieht Strafen für den Verein nach sich. Also mehr „Du du du!“ geht nicht. Natürlich musste der Platz dann noch von den Plastikkappen der Fackeln, Raketen und Konfettikanonen befreit werden. Irgendwer wird dann nach dem Spiel das Plastikkonfetti zusammenfegen, das auf der Tribüne liegt. Um den Rest kümmert sich der Wind und bläst es in die Natur.

Das Ganze kann man natürlich nicht mit den Ausschreitungen in Mannheim vergleichen. Aber wenn man etwas toleriert, was eigentlich verboten ist, muss man sich nicht wundern, wenn die Grenzen immer weiter verschoben werden.

Das Phoenix-Spiel fand ja im Stadion des VfB Lübeck statt. Dieser Verein bei mehrere rivalisierende „Fan“-Gruppen; unter denen es auch schon gewalttätige Auseinandersetzungen gab. Diese Gruppen werden jetzt im Stadion von einander getrennt.

Ich weiß nicht, ich dachte es ginge im Stadion sich ein Fußballspiel anzusehen und seine Mannschaft anzufeuern. Man darf auch gerne Krach machen und seine Fangesänge trällern. Aber alles andere, was nicht erlaubt ist, hat auch nichts mit Fankultur zu tun. Und gerade in Hinblick auf Kinder ist es wichtig, zu sagen, dass Gewalt, Rassismus, Gefährdungen Anderer im Sport nicht zu suchen haben.

Aufgebrauchte Empathie

Als der völkerrechtswidrige Krieg der USA und Israel gegen den Iran begonnen hat, da haben noch Viele gesagt, dass sie mit dem iranischen Volk fühlen und für dessen Befreiung von dem streng religiösen und repressiven Regimes seien. Da wurde noch diskuitert, ob dieser Angriffskrieg aufgrund der schlechten Situation der iranischen Bevölkerung nicht doch irgendwie gerechtfertig sei.

Davon ist jetzt irgendwie nicht mehr die Rede. Stattdessen sind nun die hohen Benzinpreise die größte Sorge des deutschen Michels. Gefolgt von Sorgen um die Weltwirtschaft aufgrund der steigenden Energiepreise.

Wenn es an den Geldbeutel der Deutschen geht, dann sind iranische Bürger plötzlich egal.

„Wir hatten keinen Fernseher“

Ich schrieb ja schon mal von Leuten, die erzählen, keinen Fernseher zu haben. Es gibt aber auch Menschen, die berichten, dass sie in der Kindheit nicht ferngesehen haben. Meistens mit dem Unterton, dass sie dadurch eine bessere Erziehung und Kindheit hatten.

Ich verstehe immer noch nicht, warum das Fernsehen schon immer so verteufelt wurde. Klar, kann man sich heute 24 Stunden am Tag Trash-TV reinziehen, dass ging auch schon vor 30 Jahren, aber es gab und gibt auch gute und lehrreiche Sendungen. Ich habe als Kind/Jugendlicher viele Sendungen gesehen, die mich nicht dümmer gemacht haben; eher im Gegenteil.

Bei Pusteblume (später Löwenzahn) wurde ich früh mit dem Thema Umweltschutz konfrontiert. Von meinem Elternhaus kam dazu eher wenig. Es gab da aber auch den „Umwelttip“, eine ganz kurze Sendung mit praxisnahen Tipps für ein umweltgerechtes Handeln.

Ebenso kurz, aber bekannter war Der 7. Sinn. Eine Sendung zur Verkehrssicherheit, vor allem für Autofahrer. Da habe ich neben einiger Verkehrsregeln und Verhaltensweisen gelernt, dass gegenseitige Rücksichtnahme das A und O im Straßenverkehr sind. – Das sollte es heute auch mal wieder geben. Aber dann würden wahrscheinlich wieder die Motzbürger kommen und sagen, dass sie sich nichts vorschreiben lassen.

„Aus Forschung und Technik“ mit Joachim Bublath hat mir vor allem viel über Raumfahrt und den Weltraum beigebracht. Dann gab es noch andere alte Wissenschaftssendungen etwa mit Volker Arzt, Heinz Haber oder Hoimar von Ditfurth. Ditfurth hat schon in den 70ern Sendungen über den Klimawandel gemacht. Ein Thema, was für manche Unverbesserlichen ein „Modethema“ ist. – Die Sendungen waren manchmal sehr „vorlesungshaft“, aber manchmal wünsche ich mir die Ruhe und die Tiefe dieser Sendungen wieder zurück.

Auch im ZDF-Ferienprogramm waren lehrreiche Beiträge. So habe ich mich immer gefreut, wenn der Pilot Herrmann Terhung vorbeigeschaut hat. Ich weiß nicht ob dort auch Heinz Kaminski zu Wort kam oder ob das auch bei „Aus Forschung und Technik“ war. Auf jeden Fall war der damalige Leiter der Bochumer Sternwarte ein Begriff in meiner Kindheit.

Auch ins Schulfernsehen habe ich gerne reingeschaut, auch wenn die Sendungen oft nicht für meine Altersklasse gedacht waren. Da habe ich schon viel über Naturwissenschaften gelernt, bevor das überhaupt in der Schule dran kam.

Geschichte war auch nie so mein Thema, aber „Vor vierzig Jahren“ habe ich damals auch oft gesehen. Da habe ich viel über den zweiten Weltkrieg und die Nazizeit gelernt, lange bevor es in der Schule thematisiert wurde.

Ich finde dasThema Bildung sollte wieder ein entscheidender Pfeiler im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen bekommen.

Deutschland alleine…

Wenn es um den Kampf gegen den Klimawandel geht, hört man ja gerne das Argument, dass Deutschland alleine da nichts machen kann. Friedrich Merz hat das auch vor einiger Zeit mal rausgehauen. Aber es ist auch nicht so, dass irgendjemand gesagt hätte, Deutschland ganz allein soll nun bitte das Klima retten. Jedes Land soll seinen Anteil dazu beitragen. Das wurde so im Pariser Klimaabkommen 2015 so festgelegt. Jedes Land nur seinen eigenen Anteil, mehr nicht.

Ach ja, dann kommt gleich das Argument, dass Deutschland ja nur für 2% der CO2-Emmissionen verantwortlich sei. Es sollen aber auch die etlichen Länder ihren Anteil reduzieren, die weniger als 1% Emissionen haben. JEDER Staat SEINEN Anteil, Wir brauchen am Ende 0% Emissionen.

Übrigens sollte doch Jedem ein Licht aufgehen, wenn man die 2% der CO2-Emisssionen mal mit dem Anteil der deutschen Bevölkerung an der Erdbevölkerung vergleicht. Das ist nämlich nur 1%. Also da ist irgendwie schon ein krasses Ungleichgewicht.

Aber nein, Deutschland allein kann nun mal nichts ausrichten, also lassen wir das.

Merkwürdigerweise denken genau diese Leute, die das so behaupten völlig anders, wenn es um die Landesverteidigung geht. Da werden plötzlich hunderte Milliarden Euro locker gemacht, Wirthschaftszweige umgestellt und der Wehrdienst wieder eingeführt. Wobei auch diese Anstregungen nicht ausreichen würden, um Putin zu stoppen. Aber nein, da sind wir ja plötzlich in einer Staatengemeinschaft, die gemeinsam auf ein Ziel hinarbeitet.

Und die Leute merken nicht mal, dass sie sich in ihrer Argumentation widersprechen.

Globale Hohlphrasen

Wenn Ihr mal etwas zu einem Thema sagen wollt, Ihr aber keine wirkliche Ahnung habt, bedient Euch doch in der Schublade mit globalen Hohlphrasen. Die passen eigentlich immer. Hier mal ein paar Beispiele:

  • „Deutschland schafft sich ab!“
    Das meint wahrscheinlich niemand so. Was soll das auch sein? Beschließt der Bundestag dass Deutschland nun zu Dänemark gehört? Wäre prinzipell nicht ganz schlecht, denn dann würden hier plötzlich Wärmepumpen funktionieren.
  • „Das ist nicht bis zum Ende durchdacht!“
    Das betrifft gerne irgendwelche Grenzfälle. Ich weiß nicht ob die, die diesen Spruch sagen, irgendein Gesetz, irgendeine Regelung kennen, bei denen es nicht zu (ungerechten) Grenzfällen kommen kann. – Dann haben die das mit ihrer Aussage wohl nicht bis zum Ende durchdacht.
  • „Deutschland muss ja wieder Vorreiter sein!“
    Komischerweise wird dieser Satz gerne von Leuten benutzt, die Deutschland ansonsten gerne als Vorreiter z.B. in der Wirtschaft, im Sport oder auch in der Kultur sehen. Allerdings geht es bei dieser Phrase dann oft um Themen, die etwa vermeintlich der Wirtschaft schaden, etwa Klimaschutz oder Datenschutz).
  • „Alle anderen Länder schaffen, dass nur Deutschland kriegt nichts hin!“
    Nein, hier geht es jetzt nicht um Klimaschutz, sondern gerne um Themen, die eher vom rechten Rand bedient werden, wie z.B. Abschiebungen, Einschränkungen des Asylrechts oder Massenüberwachung. Dabei muss es gar nicht in allen anderen Ländern wirklich so sein. Es reicht schon, zu meinen das mal irgendwo von EINEM Land gehört zu haben.
  • „Wir in Deutschland zahlen die höchsten Strompreise/Steuern/usw.“
    Stimmt zwar meist nicht, ist aber auch egal. Die Person will keine faktenbaiserte Aussage treffen, sondern einfach nur Stimmung machen.Diese Phrasen hört man nicht nur am Stammtisch, sondern auf von hochrangigen Politikern.
  • „In Deutschland geht das nicht.“
    Ne, klar Deutschland ist so extrem ungewöhnlich, dass so einfache Sachen wie Tempolimit, Wärmepumpen, Elektroautos oder Vermögenssteuer gar nicht funktionieren können.
    Also das kann schon alles funktionieren, man muss vor allem nur wollen. Manchmal will die Bevölkerung das (z.B. Tempolimit), dann kommen aber Lobbyisten oder populistische Zeitungen und starten wieder Kampagnen gegen ein eventuelles Tempolimit.

Die zwei Todsünden des Kapitalismus

Früher war die Welt noch schlecht, da gab es noch sieben Todsünden (Hochmut, Geiz, Wollust, Zorn, Völlerei, Neid, Faulheit).

Jetzt im Kapitalismus sind manche Sünden (wie z.B. Hochmut, Geiz oder Völlerei) zum Sinnbild einer „funktionierenden“ Wirtschaft geworden. Übrig geblieben ist nur noch die Faulheit. Das ist das Schlimmste im mordernen Wirtschaftssystem.

Dafür ist aber eine Todsünde hinzgekommen: Die Empathie. Sich für Schwächere oder Benachteiligte einzusetzen, schadet doch nur dem Vorankommen der Stärkeren bzw. Mächtigeren.

Symbolpolitik für die Reichen

Immer wenn man Menschen erklärt, dass es bei den Totalverweigeren beim Bürgergeld gar nicht so große Beträge geht, die man einsparen könnte, bekommt man ja gerne mal die Antwort, dass es um das Prinzip ginge, beziehungsweise um Gerechtigkeit; den Leuten das Gefühl zu geben, dass „Schmarotzer“ unseren Sozialstaat nicht „ausnutzen“ können. – Also Symbolpolitk.

Wenn man sich aber das andere Ende der Gesellschaft anschaut und etwa Vermögenssteuer oder eine bessere Erbschaftssteuer fordert, dann heißt es „Das geht gar nicht!“ oder „Das bringt nichts“.

Beides stimmt natürlich nicht. Vernögenssteuer gab es bei uns früher auch schon und auch im Ausland funktioniert das, sogar in der Schweiz. Und bei der Erbschaftssteuer kann man einfach die Ausnahmen für besonders hohe Erbschaften aussetzen.

Aber selbst wenn das nichts bringen würde, wäre DAS dann nicht mal eine gute Symbolpolitik? 99% der Bevölkerung zu zeigen, das sich ein Prozent der Gesellschaft sich nicht einfach aus der Verantwortung für unsere Gesellschaft, für unseren Staat ziehen kann?

Neiddebatte

Wenn es in Diskussionen darum geht, höhere Einkommen, Vermögen oder Erbschaften zu besteuern, wird von den Betroffenen gerne immer das Argument vorgebracht, dass es sich ja nur um eine Neiddebatte handele. Man gönne den Anderen nicht ihren Reichtum. Jede Änderung daran sei ja praktisch schon Kommunismus.

Gleichzeitig entfachen aber genau diese Menschen eine tatsächliche Neiddebatte, ohne sie so zu benennen. Sie reden den Leuten ein, es gäbe da große Bevölkerungsschichten, die nichts tun und denen es trotzdem gut geht. Während die Leute Tag für Tag ihrer Arbeit nachgehen um Geld zu verdienen. Da kann man schön gegen etwa Bürgergeldempfänger oder Flüchtlinge hetzen.“Sieh, doch mal, was die alles bekommen, ohne zu arbeiten, und Du musst Dich abrackern.“