Amazon

Ich bin schon seit mindestens 2001 Kunde bei Amazon. Damals war das noch ein verhältnismäßig kleiner Laden in Deutschland. Ich habe überwiegend Musik-CDs und Bücher bestellt. Erstaunlich war die damalige Lieferzeit. Die meisten Sachen die ich tagsüber bestellt habe, sind gleich am nächsten Tag geliefert worden. Die Preise waren niedrig und es gab oft Gutscheinaktionen. Nach dem Kauf eines Produktes hat man einen Gutschein für den ermäßigten Kauf eines Produktes aus einer bestimmten Kategorie bekommen.

Später wurde das Warenangebot immer größer und der Fokus meiner Bestellungen lag nun bei technischen Geräten. Dann boten immer mehr Händler ihre Waren über Amazons “Marketplace” an. Damit gab es noch mal einen großen Schub. Mittlerweile konnte man über Amazon fast alles bestellen und ich habe da fleißig genutzt. Die Lieferzeiten waren inzwischen nicht mehr so super. Komischerweise ging das los, als Amazon-Prime als kostenpflichtige Zusatzoption angeboten wurde. Diese Option versprach versandkostenfreien Versand und Erhalt der Ware am nächsten Tag. Ich habe ein paar Mal die Möglichkeit genutzt einen kostenlosen Prime-Probemonat in Anspruch zu nehmen. Gelohnt hat sich das aber nicht; trotzdem kamen viele Pakete erst ein paar Tage später an.

Irgendwann kam dann der Punkt, an dem ich festgestellt habe, daß nur noch die wenigsten Produkte, die mich interessieren nur noch über Marketplace-Händler und nicht mehr über Amazon angeboten werden. Darunter auch zunehmend Händler, die ihren Sitz im Ausland, vorzugsweise in China, haben. Der Versand erfolgt dann über Amazon. Amazon übernimmt juristisch nur die Funktion eines Logistikdienstleisters. Die Ware lagert dort und wird verschickt; auch die Zahlung wird über den Internet-Konzern abgewickelt. Die Versteuerung muß der Händler selbst vornehmen. Doch leider “vergessen” das viele der chinesischen Händler. Das ist ein klarer Fall von Steuerbetrug. Amazon redet sich zwar, daß sie halt nur der Logistikdienstleister sind, aber sie unternehmen auch nichts dagegen, diese Praxis abzustellen. Deshalb schaue ich seit einiger Zeit immer genau, wer der tatsächliche Händler ist. Hat er seinen Sitz im Ausland, suche ich mir einen anderen, auch wenn der ein paar Euro teurer ist.

Vom Gefühl her, finde ich die Arbeitsbedingungen bei Amazon eher schlechter als der Durchschnitt, insbesondere was man über Vorgaben oder Überwachung hört. Die Diskussion zur gerechten Bezahlung der Mitarbeiter sehe ich aber zwiespältig. Dabei geht es ja darum, ob die Mitarbeiter gemäß Logistik- oder Einzelhandelstarif bezahlt werden. Amazon sieht sich als Logistiker, die Gewerkschaften ordnen es aber dem Einzelhandel zu. Daher organisieren die Gewerkschaften regelmäßig öffentlichkeitswirksame Streiks zur Hauptsaison. Warum gibt es denn überhaupt so große Unterschiede in den Tarifverträgen? Sollten die Gewerkschaften da nicht für Gerechtigkeit sorgen. Die Arbeit eines Packers im Lager oder einer Bürokraft ist doch nicht mehr oder weniger wert, wenn sie in verschiedenen Branchen arbeiten.

Ich weiß auch nicht, ob andere Unternehmen da besser sind als Amazon. Rewe hat ja etwa einen eigenen Lieferdienst und eigene LKW zur Belieferung der Filialen und ein eigenes Tochterunternehme “Rewe Spedition und Logistik GmbH”. Wie werden die dort angestellten Mitarbeiter entlohnt?

Aber mich stört die Übermacht Amazons. Ich versuche mittlerweile viele Produkte in anderen Onlineshops zu bestellen oder mal wieder ganz klassisch in einem Geschäft einzukaufen. Ich bin noch nicht soweit ganz auf Amazon zu verzichten, aber möchte nicht Jeff Bezos mein ganzes Geld geben, damit er ein Monopol erschaffen kann.

Das Kasperletheater der Gewerkschaften und der Arbeitgeber

Ich finde es grundsätzlich blöd, wenn Leute mit überzogenen Forderungen kommen. So sind zum Beispiel Tarifverhandlungen für mich oft nur Theater. Die Gewerkschaften fordern (unrealistische) 8{506c7052c0d1e6d7d0d582ecf9d4bc2f198ab033d253b9b30fe0e3269a48e1b8} Lohnerhöhung. Darunter geht gar nichts, so die Gewerksschaftsvertreter. Die Arbeitgeber bieten (unrealistische) 0{506c7052c0d1e6d7d0d582ecf9d4bc2f198ab033d253b9b30fe0e3269a48e1b8} und behaupten, daß sie absolut nichts mehr geben können. Nach vielen Verhandlungsrunden und vielleicht ein paar Warnstreiks, einigen sich die Parteien auf realistische 4{506c7052c0d1e6d7d0d582ecf9d4bc2f198ab033d253b9b30fe0e3269a48e1b8}. Kann man nicht gleich ohne diese Kasperletheater verhandeln und ehrliche Vorschläge machen?

Ich habe in meiner Berufskarriere zwei Streiks mitbekommen. Einen als Azubi und einen als Angestellter. Beides Mal fand ich die Forderungen der Gewerkschaften überzogen und den Streik ungerechtfertigt. Ich (als Nicht-Gewerkschaftsmitglied) habe da natürlich nicht mitgemacht.

Mir drängte sich der Eindruck auf, daß die Gewerkschaften auf jeden Fall einen Streik wollten, da es in der jeweiligen Branche schon lange keinen Streik mehr gab, die Streikkassen mehr als gut gefüllt waren und die Gewerkschaften ihre Existenzberechtigung demonstrieren wollten. In einem Fall hat der Streik absolut Null gebracht, weil es die Gewerkschaft selbst Jahre vorher verbockt hat und eine Regelung im Manteltarifvertrag gestrichen hat, da die gesetzliche Regelung zwischenzeitlich besser wurde. Leider wurde dann die gesetzliche Regelung zu Ungunsten der Arbeitnehmer verändert. Wie gesagt, der Streik hat damals nichts gebracht.

Auch der zweite Streik war eher ein Abfeuern einer Leuchtrakete. Man hat sich öffentlichkeitswirksame Objekte herausgesucht wo man mit kleinen Mitteln großen Schaden und große Aufmerksamkeit bewirken kann. Aber auch hier hat man sich letztendlich mit den Arbeitgebern in der Mitte getroffen; auch wenn die Gewerkschaft “auf keinen Fall” von ihrer “Minimalforderung” abrücken wollte.

Grundsätzlich halte ich Gewerkschaften für wichtig; da sonst die Arbeitgeber keine ordentliche Vertretung haben, aber so wie die Gewerkschaften in den letzten 20 Jahren agieren, finde ich es nicht gut. Oft genug kämpfen sie nur für sich bzw. die Mitglieder, ohne den übrigen Arbeitnehmer oder Arbeitslosen zu berücksichtigen oder sie mischen sich in andere Themenbereiche ein, die nichts mit dem Arbeitsumfeld zu tun haben.