Corona-Demos

Aktuell finden ja vermehrt Demos gegen die Corona-Maßnahmen statt. Manchmal werden diese auch, wo Demos zu zugelassen wurden, als Spaziergänge bezeichnet. Das ändert aber nichts. Bei den großen Demos sind oft Demotouristen aus ganz Deutschland anwesend. Sie finden mal hier und mal da statt und sollen einen regionalen Bezug vortäuschen, der durch die Demotouristen aber nicht gegeben ist. Die Teilnehmer auf diesen Demos sind bunt gemischt.

Da gibt es z.B. die notorischen Impfgegner. Die haben vielleicht mal von ihrer Heilpraktikerin gehört, dass Impfungen generell schlecht seien und sogar Autismus auslösen sollen. Die sind aber bloß den Lügen des Betrügers Andrew Wakefield aufgesessen (Tipp: Arte-Doku “Impfgegner – Wer profitiert von der Angst?”)

Dann gibt es Leute, die meinen sie bräuchten keine Impfung, weil sie ein starkes Immunsystem hätten. Gleichzeitig haben die aber ein Attest, dass sie keine Maske tragen können, weil sie sonst keine Luft bekommen.

Oder die Leute die absichtlich oder unabsichtlich Falschinformationen verbreiten (“Notfallzulassung”, “mRNA-Impfstoffe verändern DNA”, “Maske hilft nicht”, “Impfungen töten” etc.)

Vielleicht sind noch ein paar Rechte dabei, denen das Thema eigentlich egal ist; sie sind grundsätzlich gegen alles, was der Staat macht. Und Unruhe stiften gehört zu deren Konzept.

Nicht vergessen sollte man die Leute, die Verschwörungsideologien glauben und dabei immer weiter ins völlig Absurde abrutschen. Manche hupten Corona sei gar nicht schlimm, andere meine das Coronavirus sei absichtlich in die Welt gesetzt und absolut tödlich. Manche glauben sogar beides gleichzeitig.

Einige hantieren mit Statistiken, die sich nicht verstehen und haben dabei Begriffe wie “Präventionsparadox” noch nie gehört.

Dann sind da Leute mit Reichsbürgersprüchen, nach denen die Bundesrepublik gar nicht als solche existiere.

Manche wollen ja auch, das endlich die “Wahrheit” ans Licht kommen soll. Sie selbst meinen, sie hätten sie bereits gefunden, in irgendwelchen obskuren Telegram-Kanälen von heruntergekommenen Leuten oder von russischen Propgandasendern. Ist schon komisch, dass Leute, die meinen, man soll sich doch mal selbst informieren, eher einem ehemaligen Schlagersänger glauben, als Heerscharen von Wissenschaftlern, die weltweit an dem Thema forschen und jahrzehntelange Berufserfahrung vorweisen können. Wie wäre es damit mal irgendein ein wissenschaftliches Paper zu lesen und dann versuchen dieses mit wissenschaftlichen Methoden zu widerlegen.

Die angeblichen Selbst- oder Verquerdenker tun übrigens alles andere, als selbst zu denken. Die plappern nur das nach, was irgendwer ins Internet brüllt. Einfach immer nur gegen Alles zu sein, ist nicht das, was man kritisches Denken nennt.

Die Wissensschaftfeindlichkeit in unserem Lande fängt ja schon damit an, dass Zuckerkügelchen als “Medizin” angepriesen werden. Die Homöopathie hat sich der Quacksalber Hahnemann vor 200 Jahren ausgedacht. Zu einer Zeit als über Krankheitserreger so gibt wie noch nichts bekannt war. Seitdem ist bei der Homöopathie nicht viel passiert. Immer wieder wird in Studien nachgewiesen, dass es nur den Placeboeffekt gibt. Zwischendurch wird von den Homöopathie-Konzernen versucht, den Wirkmechanismus mit pseudowissenschaftlichen Begriffen zu erklären. Aber Quacksalberei bleibt Quacksalberei.

Von dieser Wissenschaftsfeindlichkeit ist es nur ein kleiner Sprung zur Esoterik. Da spielen auch viele Heilpraktiker mit.

Und von da aus ist man auch anfällig für Verschwörungserzählungen. Hat man sich erst einmal von der Realität getrennt, glaubt man auch leicht noch mehr Mist.

Vielleicht sind das ja auch die Leute, die meinen, wir würden in einer Diktatur leben. Also nach meiner Erinnerung wurde vor einigen Monaten in freien Wahlen ein neuer Bundestag und damit indirekt auch eine neue Regierung gewählt.

Nein, und auch die Grundrechte wurden nicht abgeschafft. Manche Grundrechte können explizit eingeschränkt werden, etwa das Versammlungsrecht, durch den Absatz 2 des Artikel 8. Die Rechte des Einzelnen enden generell spätestens da, wo sie die Rechte andere einschränken. Ich darf auch nicht mit dem Auto mit 100 km/h an einem Kindergarten vorbei rasen, nur weil ich der Meinung bin, dass seine meine persönliche Freiheit. Auch das Recht auf körperliche Unversehrtheit ist ein Grundrecht und darauf baut die Pandemiebekämpfung. Das ist alles stets Abwägungssache, aber das Bundesverfassungsgericht hat bisher alle Klagen gegen die Corona-Maßnahmen abgewiesen und erklärt dass diese Maßnahmen seien angemessen und zielführend sind.

Was sind das eigentlich für Menschen, die nach Eigenverantwortung rufen, es selbst aber ablehnen, eine Maske zu tragen? Oder wie war das mit dem Konzept, nachdem es reiche, nur die Risikogruppen zu schützen, dass aber nicht funktionieren wenn es selbst unter dem Pflegepersonal Impfverweigerer gibt?

Tut mir leid, ich kann diese Demoteilnehmer nicht ernst nehmen. Das ist alles eine unheilige Allianz von verschiedenen Gruppierungen, die denken sie hätten gemeinsame Ziele. Das einzige was sie eint, ist das absichtliche oder unabsichtliche Festhalten an Fehlinformationen
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Ich könnte es verstehen, wenn etwa gegen die wirtschaftlichen Auswirkungen einzelner Maßnahmen demonstriert wird. Da könnte man sicherlich was ändern. Auch der Zeitpunkt mancher Maßnahmen kann kritisiert werden. Aber so zu tun, als müsse man ALLES SOFORT zurücknehmen. Ob mit der Omikron-Variante jetzt alles so harmlos wird, dass man einige Einschränkungen aufheben kann, kann man jetzt noch nicht sagen. Aktuell sieht es eher nicht da nach aus.

1,75 von 3

Letztes Jahr schrieb ich ja ich von drei Dingen, die ich diese Jahr erwarte:

Ein Teil ist mittlerweile zu 100% erfüllt; den E-Up konnte ich Ende April abholen und bin bisher damit zufrieden.

Impfstoffe gibt es auch schon mehrere, wenn auch noch nicht in ausreichender Menge. Meinen ersten Impftermin habe ich bereits wahrgenommen und der zweite steht auch bald an. Also ist das, zumindest für mich, zu 75% abgehakt. Ob und wann die Kinder (>12) dran sind, steht aktuell aber noch in den Sternen.

Das dritte Thema ist der extrem zähe Glasfaserausbau. Letzte Info vom Anbieter war vom 01. März. Dort hat man erklärt, dass noch die Genehmigung für die Unterquerung einer Bahntrasse nötig sei. Ich frage mich ernsthaft, warum dieses Unternehmen erst jetzt auf die Idee kommt, dass so eine Genehmigung von Nöten ist. Und es ist nicht das erste Mal, das noch irgendwelche Zustimmungen oder Grunderwerb fehlt oder nicht erwartete Ausschreibungen verzögerten das Projekt.

Das Unternehmen (TNG) hat laut eigener Website bereits mehrere Glasfaserprojekte umgesetzt, da müsste doch entsprechendes Fachwissen vorliegen. Und der Auftraggeber (Zweckverband Ostholstein (ZVO)) und Partner ist sei Jahrzehnten DER regionale Ver- und Entsorger. Wenn die sich nicht mit Tiefbau, Ausschreibungen und Genehmigungen auskennen, wer dann?

Auf jeden Fall hat man Anfang März angekündigt, dass die Hausinstallationen schon vorgenommen werden und dann nur noch das fehlende Stück unter den Bahnscheinen eingefügt werden soll. Letzte Woche habe ich auch tatsächlich Mitarbeiter des Elektrounternehmens gesehen, die vor Ort die Hausanschlüsse installieren sollen.

Wer weiß, vielleicht kann auch dieses Projekt im Jahre 2021 endlich zu Ende gebracht werden?

Politiker locken mit Lockerungen vom Lockdown

Morgen ist es wieder mal soweit, die Ministerpräsidenten setzen sich mit der Bundesregierung zusammen und besprechen, wie man mit den Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung fortfahren will. Von vielen Bürgern hört man ja, dass sich diese möglichst viele Lockerungen erhoffen. Doch so wird man die Pandemie nicht bekämpfen. Die Infektions- und Todeszahlen gehen langsam nach unten; und das ist auch gut. Allerdings sollten wir nichts überstürzen und zu früh wieder alles erlauben. Aktuell haben wir eine 7-Tage-Inzidenz von 68 für ganz Deutschland. Einige Bundesländer liegen, wie etwa Thüringen mit 137, noch deutlich darüber. Nur mal so zur Erinnerung: Vor ein paar Monaten galten Gebiete mit einer Inzidenz von über 50 als Risikogebiet. Man musste sich testen lassen, wenn man von dort gekommen und sich teilweise in Quarantäne begeben. Wir haben uns anscheinend an die hohen Zahlen gewöhnt.

Ich bin aber dafür, dass wir die Maßnahmen noch ein wenig weiter durchhalten sollten und die Werte RICHTIG nach unten drücken. Nur so bekämen wir wieder die Chance, das Infektionsgeschehen zu kontrollieren. DANN könnte man auch einen Großteil der Maßnahmen wieder aufheben. Allerdings ist es dann notwendig, sofort Maßnahmen zu ergreifen, sobald die Zahlen wieder nach oben gehen. Und diesmal wirklich und schnell und effektiv. Nicht so wie im Sommer als festgelegt wurde, dass Kreise bei Überschreiten der 50-er-Marke Maßnahmen ergreifen sollten. Wie sich rausstellte, kamen diese zu spät und waren oft viel zu lasch. Es müssten im Vorfeld entsprechende Verordnungen der Länder und Kommunen erlassen werden, die dann bei Erreichen eines Grenzwertes automatisch in Kraft treten. Vor allem sollten das wirksame Maßnahmen sein. Über manche konnte echt nur den Kopf schütteln, weil sie praktisch niemanden betreffen. Maßnahmen die niemanden beeinträchtigen sind auch wirkungslos.

Auch sollte die Quarantäneregelung wieder viel strenger gefasst werden. Etwa bei Coronafall in der Schule: alle Schüler der Klasse, und nicht nur die Sitznachbarn in Quarntäne plus Lehrer und ebenfalls aller Haushaltsmitglieder. Was bringt es, wenn das Kind zu Hause bleibt, aber die Eltern ansteckt, die bei ihrer Arbeit Andere anstecken.

Lachen muss ich ja auch immer, wenn vom “Lockdown”, “harter Lockdown” oder “verschärfter Lockdown” die Rede ist. Ich finde alle bisherigen Maßnahmen waren viel zu halbherzig, als dass sie schnell eine Besserung der Situation gebracht haben. Vor Weihnachten war doch noch immer die Rede davon, drei Wochen richtig harte Maßnahmen durchzuhalten, um dann wieder unbeschwert Weihnachten feiern zu können. Warum hat man nicht diese Methode gewählt?

Übrigens ist überhaupt in der letzten Bund-Länder-Konferenz das erste Mal explizit der Schutz von Arbeitnehmern erwähnt worden. Vorher waren das alles freiwillige Maßnahmen.

Ein Corona-Zwischenfazit

Nach 4 1/2 Monaten Corona-Einschränkungen scheint es ja wieder fast alles normal zu sein. Deswegen gibt es genug Leute, die sich über die übrig gebliebenen Maßnahmen (etwa: Maske, Abstand) aufregen. Doch nun scheint das Virus sich wieder weiter zu verbreiten. Um so wichtiger sind die einfachen Schutzmaßnahmen.

Rückblickend auf die letzten Monate habe ich gemischte Gefühle. Zum einen finde ich es erschreckend, wie leicht das ganze System durcheinander gebracht werden kann. Wie weit alle Bereiche (Arbeit, Schule, Verkehr, Wirtschaft, usw.) mit einander verknüpft sind und schon eine Störung, etwa die Schließung von Schulen oder Grenzen enorme Auswirkungen auf andere Bereiche haben kann.

Andererseits finde ich es aber auch erstaunlich, wie wir das gemeistert haben und wie wir unsere Abläufe oder Gewohnheiten ändern können. Plötzlich ging viel mehr Home-Office, viele Leute mussten nicht mehr jeden Tag ins Büro. Oder Dienstreisen wurden durch Video-Konferenzen ersetzt.

Wäre doch schön, wenn wir von dieser Entwicklung etwas mitnehmen könnten. Das würde der Verkehrswende gewaltig helfen, wenn insgesamt weniger Verkehrsbewegungen stattfinden. Allerdings war der ÖPNV eindeutige Verlierer. Aus Angst vor Ansteckung, haben Viele diese Verkehrsmittel gemieden.

Erschreckt hat mich das soziale Verhalten. Ich dachte immer, Krisen schweißen zusammen, aber hier hatte ich eher das Gefühl, dass sich die Meisten nur um ihr eigenes Wohl sorgen. Gut konnte man das bei Hamsterkäufen sehen.

Was auch ein wenig beängstigend war, war wie schnell und einfach Grundrechte eingeschränkt werden konnten. Ich bin ja sonst immer ein Verfechter der Freiheitsrecht, aber ich bin der Meinung, dass die Einschränkungen hier gerechtfertigt waren und sind. Aber wie weit würde man gehen? Was ist, wenn manche Maßnahmen mehrere Jahre gelten? Man sollte hier auf jeden Fall Augenmaß walten lassen und ständig die aktuelle Pandemie-Situation im Auge behalten.

Man kann ja auch sehen, dass die Verantwortlichen dazu gelernt haben. Während die ersten, hektisch verfassten, Verordnungen vielleicht nur eine Seite lang waren, füllen die aktuellen schon viele Seiten inklusive ausführlicherer Erläuterungen.

Ich erinnere mich noch ganz genau an die Terroranschläge vom 11.09.2001. Schon am gleichen Tag hieß es, das jetzt die Welt nicht mehr so sein wird, wie sie mal wahr. Ich teilte diese Vermutung, aber anders, als sie die Meisten meinten. Die gingen von einer Welle von Terroranschlägen aus, die die westliche Welt lahmlegt. Ich hatte die Befürchtung, dass nun im Namen der Terrorabwehr massiv Bürgerrechte eingeschränkt werden. So ist es ja auch gekommen. Und wir sind immer noch in einem Prozess, in dem ständig Gesetze verschärft werden und nach mehr Überwachung der Bürger gerufen wird. Etwa jetzt ganz aktuell, wo die Polizei die Corona-Namenslisten etwa in Restaurants benutzen soll, um Straftaten aufzuklären. Das ist ein völlig falsches Zeichen und führt nur dazu, daß die Listen nicht mit den echten Daten ausgefüllt werden und diese somit zur Infektionsverfolgung nicht mehr taugen.

Ich befürchte, dass die Corona-Krise die Gesellschaft sehr zum Nachteil ändern wird. Wir werden viel von unserer sozialen Freiheit und der Ungewwungenheit verlieren. Der Egoismus wird stärker und in fremden Menschen wird noch mehr das Unheil gesehen, sie könnten ja potentielle Virenträger sein.

Ich weiß nicht, was noch alles auf uns zukommt und wie wir das schaffen können. Man muß nur mal an die Schule denken. Die Lehrpläne für das letzte Halbjahr konnten schon nicht eingehalten werden und es sieht auch nicht so aus, als ob man im nächsten Schuljahr wieder Vollgas geben kann.