Energiekonzerne kaufen sich vom Atommüll frei

Hui, was müssen das für Partys bei den Energiekonzernen letzte Woche gewesen sein…

Daß die Atomkraft ja unter anderem ein „kleines“ Problem mit dem Atommüll hat, sollte ja mittlerweile jeder mitbekommen haben. Der Atomausstieg in Deutschland ist beschlossen, die Kraftwerke sind sicherlich alle so gut wie abgeschrieben, nun war nur noch das Problem mit dem Atommüll. Dafür gibt es jetzt aber eine Lösung, zumindest aus Sicht der Stromkonzerne. es werden einfach 23 Milliarden in einen Fond eingezahlt, Mehrkosten soll der Bunde zahlen. Die Konzerne haben also das unkalkulierbare Risiko der Endlagerung auf den Steuerzahler abwälzen können. – Danke für die gute Lobbyarbeit!

Vielleicht mag ja jemand sagen, daß 23 Milliarden doch eine Menge Geld sind. Aber die Frage der Endlagerung ist um Grunde genommen überhaupt noch nicht ansatzweise gelöst. Aktueller Stand ist, daß man die Endlagerung nicht so betreibt, daß man den hochradioaktiven Abfall irgendwo hinschüttet, wo keiner mehr ran kommt. Die „Forschungsanlage“ Asse hat gezeigt, daß man selbst wenige Jahrzehnte den Atommüll nicht sicher lagern kann, wenn man nicht mehr herankommt. Deswegen ist das große Stichwort die Rückholbarkeit. Der Atommüll muß also einerseits sicher gelagert und andererseits rückholbar sein. Außerdem ist eine ständige Überwachung notwendig. Das bedeutet aber, daß man ein Endlager aktiv betreiben muß. Und das über unglaubliche Zeiträume. Man verlangt aktuell einen Zeitraum von einer Million Jahren, EINER MILLION JAHRE. Das ist wesentlich länger, als menschliche Zivilisationen bisher bestehen. Selbst die ägyptischen Pyramiden sind nur einige Tausend Jahre alt. Wie soll man so lange eine Anlage betreiben? Vielleicht stehen in 4000 Jahren Archäologen genau so fragend vor den Endlagern, wie die Forscher vor 200 Jahren vor den ägyptischen Grabmalen?

Was sind schon 23 Milliarden für eine Ewigkeit? Ich glaube die Kosten in den nächsten 100 Jahren werden schon deutlich höher sein.

Ich halte es außerdem für völlig sinnlos, daß jedes Land ein eigenes Endlager bauen soll. Klar, niemand will sich noch um den Müll der Anderen kümmern müssen, wenn er den eigenen schon nicht gescheit lagern kann. Aber manche Länder werden gar nicht über die geografischen und geologischen Möglichkeit haben, ein Endlager, in welcher Form auch immer einzurichten. Zudem ist natürlich mehr als fraglich, ob die heutigen Staatsgrenzen in 1000 oder mehr Jahren noch so bestand haben werden.

Die 23 Milliarden sind bzw. werden noch in die Stromkosten einfließen. Der Rest nicht, den zahlt der Steuerzahler direkt. Hört also bitte endlich auf, mit den Lügen vom günstigen Atomstrom!

Erneuerbare Energien nicht grundlastfähig?

Bei Gegner des Energiewandels hört man oft die Aussage, erneuerbare Energieträger seien nicht grundlastfähig. Der Begriff Grundlast ist eigentlich einer, der aus der Unzulänglichkeit der bisherigen Stromversorgung entstanden ist.

Kurz zur Erklärung: Der Stromverbrauch schwankt über den Tag. Tagsüber ist er höher, weil in der Industrie und den Haushalten mehr verbraucht wird. Nachts ist der Bedarf geringer. Aber auch tagsüber gibt es Schwankungen. Nun wird in Deutschland der Strom von verschiedenartigen Kraftwerken erzeugt. Früher war es vor allem Kraftwerke, die fossile Brennstoffen verbrannt haben oder Kernkraftwerke. Die meisten größeren Kraftwerke haben den Nachteil, daß die nur sehr schlecht regulierbar sind. Sie können nicht von jetzt auf gleich mal eben mehr oder weniger Strom produzieren. Das nennt man dann Grundlast. Die Spitzen, die nicht von diesen Kraftwerken abgefangen werden können, müssen dann aus leichter regulierbaren Kraftwerken kommen, das sind insbesondere Gasturbinenkraftwerke und Wasserkraftwerke.

Die erneuerbaren Energien haben den großen Vorteil, daß die Anlagen alle hervorragend steuerbar sind. Wenn zu viel Strom vorhanden ist, kann man einfach Anlagen vom Netz nehmen. Damit stets genug Strom vorhanden ist, braucht man natürlich auch einen Mix von Energieträgern und eine ausreichende Anzahl von Anlagen.

Überhaupt ist es bei der Energiewende ja nicht damit getan ein paar Windräder oder Photovoltaikanlagen aufzustellen. Ein weiteres Thema sind Speicherung, Steuerung und Anpassung des Verbrauchs. Das sind Themen an den zur Zeit viel geforscht und entwickelt wird. Die Erweiterung der Elektromobilität ist einerseits eine zusätzliche Herausforderung, bietet aber auch zusätzliche Chancen. So werden die Fahrzeuge überwiegend nachts geladen, wenn die Stromnachfrage eher gering ist. Außerdem könnten die Autos mit ihren Akkus auch Spitzenlasten abdecken, in dem sie Strom ins Netz einspeisen. Energiewende bedeutet halt eine komplette Umstrukturierung der Strominfrastruktur. Aber nur so können wir von fossilen Brennstoffen wegkommen (die irgendwann aufgebraucht sind und noch mehr CO2 freisetzt) und der unberechenbaren Kernkraft, für deren Abfall es keine sichere Langfristlagerung gibt.

Wer von Grundlast redet, zeigt nur das in seinem Kopf kein Umdenken stattfinden kann. Es gibt nur ein „Weiter so!“. Er verkennt auch die Probleme und läßt keine Lösungen zu.

Neues aus der Reihe „Der ach so billige Atomstrom“

Nach dem die Energiekonzerne die Hände gehoben und gesagt haben, daß sie den Rückbau der Kernkraftwerke und die Endlagerung nicht zahlen können oder wollen, und daß der Staat für die Kosten einspringen soll und auch versucht haben, gegen die Brennelementesteuer vorzugehen, fordern sie jetzt auch noch Entschädigungen für kürzere Laufzeiten der Kraftwerke. Also mal wieder das Konzept „Gewinne privatisieren, Verluste verstaatlichen“.

Jetzt sollte wirklich jedem klar sein, daß der jahrzehntelang als ach so billig und angeblich umweltfreundliche Atomstrom viel teurer wird als alles andere. Und mit der Endlagerung wird die Menschheit noch viele Jahrtausende zu tun haben.