Diesel-Dieter und die Bremslichter

Es ist schon fast ein Jahr her (ja ich sollte die Themen mal zeitnah verbloggen), dass dieser Artikel erschien:

FAZ-Artikel
Elektroautos
"Bremslichtgewitter"
Ein Kommentar von Joshua Hildebrand
07.02.2025, 11:15 Lesezeit: 2 Min

Dieser Artikel ist mittlerweile hinter der FAZ-Paywall versteckt. Man könnte ihn vielleicht über das eine oder andere Archiv lesen, das möchte ich hier nicht verlinken, obwohl der Artikel echt interessant ist. Es ist ein Einblick in die Psyche eines deutschen Autofahrers. Ein Fahrer der sich selbst natürlich für den besten Fahrer der Welt hält (überall vermutet er Fahrfehler Anderer) und der sich allein schon von der Präsens eines Hybrid- oder gar Elektrofahrzeuges provoziert fühlt. Wenn so ein Auto dann noch vor einem fährt, ist der Autor kurz vor dem Ausrasten.

Denn dann sieht er nur noch im blitzende Bremslichter. Und ein Bremslicht ist für einen richtigen deutschen Autofahrer das Allerschlimmste was es gibt. Es signalisiert, dass das verausfahrende Fahrzeug langsamer wird und man deswegen auch langsamer werden muß. „Ist das nicht schon Nötigung? Man will eigentlich selbst viel viel schneller fahren. So ein Bremslicht darf doch nur absolute Gefahrensituationen anzeigen. Alarmbereitschaft!“

Nun ist es ja so, wie eigentlich mittlerweile Jeder wissen müsste, dass Elektroautos nicht nur über die mechanische Bremse ihre Geschwindigkeit verringern können, sondern auch über Rekuperation. Da funktioniert der Motor als Generator, das Fahrzeug wird langsamer und die „Bremsenergie“ wird zurück in die Batterie gespeist. Oft kann man die Stärke des Effektes einstellen. Im Grunde ist es nichts anderes, als die Motorbremse, bei einem Verbrennerauto. Wenn man bei diesem aber runterschaltet und so eine starke Verzögerung auslöst, gehen aber nicht die Bremsleuchten an, bei einem E-Auto aber schon.

Der FAZ-Autor weiß sogar, dass es gesetzliche Vorgaben gibt, wann die Lichter bei der Rekuperation angehen müssen und wann sie nicht angehen dürfen. Sie gehen nicht sofort an, wenn man bei einem Ellektroauto aufhört zu bescleunigen, auch nicht bei leichtem Verzögern. Trotzdem behauptet er, gäbe es ständig ein Bremslichgewitter, allein wenn der Fahrer den Fuß vom Gaspedal nimmt. – „Warum tut er das? Gasgeben!!! Durchtreten, bis aufs Blech! Nur so kommen wir weiter!!!111!einself!11!“

Im Grunde ist das Ganze aber eine technische Verbesserung gegenüber dummen Verbrennern. Und ein „Bremslichtgewitter“ ist mir selbst auch noch nicht aufgefallen.

Am Ende schliesst er mit dem Tipp, dass man doch bitte ruhig bleiben soll, sich nicht rotärgern soll, wenn vor einem Bremslichter aufleuchten. Dann ist dass halt einfach nur ein so komisches Auto.

Es klingt aber, als wenn der Autor selbst noch etwas braucht, um das umzusetzen. Da der Artikel schon fast ein Jahr alt ist, hat er es vielleicht mittlerweile verstanden, dass zu den Tugenden eines guten Autofahrers auch Gelassenheit gehört.

„Wir hatten keinen Fernseher“

Ich schrieb ja schon mal von Leuten, die erzählen, keinen Fernseher zu haben. Es gibt aber auch Menschen, die berichten, dass sie in der Kindheit nicht ferngesehen haben. Meistens mit dem Unterton, dass sie dadurch eine bessere Erziehung und Kindheit hatten.

Ich verstehe immer noch nicht, warum das Fernsehen schon immer so verteufelt wurde. Klar, kann man sich heute 24 Stunden am Tag Trash-TV reinziehen, dass ging auch schon vor 30 Jahren, aber es gab und gibt auch gute und lehrreiche Sendungen. Ich habe als Kind/Jugendlicher viele Sendungen gesehen, die mich nicht dümmer gemacht haben; eher im Gegenteil.

Bei Pusteblume (später Löwenzahn) wurde ich früh mit dem Thema Umweltschutz konfrontiert. Von meinem Elternhaus kam dazu eher wenig. Es gab da aber auch den „Umwelttip“, eine ganz kurze Sendung mit praxisnahen Tipps für ein umweltgerechtes Handeln.

Ebenso kurz, aber bekannter war Der 7. Sinn. Eine Sendung zur Verkehrssicherheit, vor allem für Autofahrer. Da habe ich neben einiger Verkehrsregeln und Verhaltensweisen gelernt, dass gegenseitige Rücksichtnahme das A und O im Straßenverkehr sind. – Das sollte es heute auch mal wieder geben. Aber dann würden wahrscheinlich wieder die Motzbürger kommen und sagen, dass sie sich nichts vorschreiben lassen.

„Aus Forschung und Technik“ mit Joachim Bublath hat mir vor allem viel über Raumfahrt und den Weltraum beigebracht. Dann gab es noch andere alte Wissenschaftssendungen etwa mit Volker Arzt, Heinz Haber oder Hoimar von Ditfurth. Ditfurth hat schon in den 70ern Sendungen über den Klimawandel gemacht. Ein Thema, was für manche Unverbesserlichen ein „Modethema“ ist. – Die Sendungen waren manchmal sehr „vorlesungshaft“, aber manchmal wünsche ich mir die Ruhe und die Tiefe dieser Sendungen wieder zurück.

Auch im ZDF-Ferienprogramm waren lehrreiche Beiträge. So habe ich mich immer gefreut, wenn der Pilot Herrmann Terhung vorbeigeschaut hat. Ich weiß nicht ob dort auch Heinz Kaminski zu Wort kam oder ob das auch bei „Aus Forschung und Technik“ war. Auf jeden Fall war der damalige Leiter der Bochumer Sternwarte ein Begriff in meiner Kindheit.

Auch ins Schulfernsehen habe ich gerne reingeschaut, auch wenn die Sendungen oft nicht für meine Altersklasse gedacht waren. Da habe ich schon viel über Naturwissenschaften gelernt, bevor das überhaupt in der Schule dran kam.

Geschichte war auch nie so mein Thema, aber „Vor vierzig Jahren“ habe ich damals auch oft gesehen. Da habe ich viel über den zweiten Weltkrieg und die Nazizeit gelernt, lange bevor es in der Schule thematisiert wurde.

Ich finde dasThema Bildung sollte wieder ein entscheidender Pfeiler im Öffentlich-Rechtlichen-Fernsehen bekommen.