Je älter ich werde, desto weniger mag ich alte Menschen. Das heißt nicht, dass ich alle alte Menschen ablehne, aber vor allem solche Gesichter wie Friedrich Merz. Der nutztr ja mittlerweile jede Gelegenheit das Volk zu beleidigen: „Ihr arbeitet zu wenig!“. Meistens meint er aber nicht sein direktes Publikum. Meistens sind das irgendwelche anderen Politiker, Unternehmer oder andere Menschen, die für sich behaupten „fleißig“ zu sein, während alle anderen, hier natürlich die jungen Menschen viel zu faul sind.
Dabei geht die Zahl der gearbeiteten Stunden pro Jahr für alle Arbeitnehmer in Deutschland tendenziell nach oben. Das liegt auch daran, dass Personengruppen, die vor 40 Jahren vielleicht noch gar keiner Erwerbstätigkeit nachgingen, mittlerweile zumindest Teilzeit arbeiten. Das senkt natürlich statistisch die durchschnittliche Arbeitszeit pro Arbeitnehmer.
Trotzdem wird die Lüge verbreitet, die Deutschen würden nicht genug arbeiten.
Außerdem seien die die ganzen totalverweigernden Bürgergeldempfänger eines unserer größten sozialen Probleme.
Werfen doch mal einen Blick auf den aktuellen Bundeshaushalt (2026).

Hier sind zwei dicke Brocken: Bürgergeld mit 28% des Sozialhaushaltes und Zuschüsse zur Rentenversicherung mit 71 %. Die hohen Sozialausgaben liegen also nicht an den Bürgergeldempfängern. Schon gar nicht an den vielzitierten Totalverweigerern. Hier wird eine Quote von 0,4% angenommen. In Summe macht das nur 22 Millionen aus. Diskutiert wird aber immer nur über diese Minderheit; ohne tatsächlich mal konkrete Zahlen zu nennen. Merz wollte doch durch härtere Maßnahmen sogar mehrere Milliarden beim Bürgergeld einsparen. Völlig illusorisch. Stattdessen wird sogar von Mehrkosten durch höheren Verwaltungsaufwand ausgegangen. Sprach nicht mal irgendwer über Bürokratieabbau?
Ach ne, es geht ja nicht nur um Geld, sondern um die (gefühlte) Gerechtigkeit. Wenn man tatsächliche mehr Gerechtigkeit haben will, wie wäre es da mit einer Vermögenssteuer? Aber stattdessen wird lieber Stimmung gemacht und einzelne Beispiele ins Rampenlicht gezogen („Das ist Deutschlands faulster Arbeitsloser“).
Über den Elefanten im Raum wird aber nicht gesprochen. Der Bund zahlt mittlerweile jährlich 140 Milliarden Euro in den Rentenkasse ein. Normalerweise war das Rentensystem ein Umlagesystem. Die Jungen zahlen ein, die Alten bekommen das Geld. Ging auch Jahrzehnte lang gut. Doch irgendwann wuchs die Bevölkerung nicht weiter und gleichzeitig stieg die Lebenserwartung. Das ist alles kein neues und kein unvorhersehbares Thema. Das zeichnete sich schon vor mehreren Jahrzehnten ab. Ich kann mich noch an Diagramme aus der Schulzeit erinnern, in den dargestellt wurde, wie sich das Verhältnis zwischen Renteneinzahlern und -empfängern verändern wird. Und damit die Rentenbeiträge für Die Arbeitnehmer, aber auch für die Arbeitsgeber, nicht ins Unermeßliche steigen, wird der Rentenbeitrag begrenzt und die Einnahmelücke wird aus dem Bundeshaushalt gestopft.
Es gab zwar mal die eine oder andere kleinere Änderung an der Rente, aber das grundsätzliche System und damit das grundsätzliche Problem wurde nie angegangen.
Die aktuellen Renter sind ja sowieso die heilige Kuh. Diese Bevölkerungsgruppe wird immer größer und damit politisch immer einflussreicher. Da wird nicht geändert. „Die haben ja auch eingezahlt.“ oder „Die haben ja auch hart und lange gearbeitet.“ hört man dann. Aber die jungen Menschen, die sollen sich mal darauf einstellen viel länger arbeiten zu müssen und dabei weniger Rente zu bekommen. Irgendwie habe ich das Gefühl, dass die Politiker nur noch sicherstellen möchten, dass ihre Generation abgesichert ist.
Ich will niemanden was wegnehmen. Ich prangere vor allem an, dass die Probleme bei der Rente jahrzehnte lang bekannt sind, und niemand wirklich was unternommen hat. Ich sehe schon in 20 oder 30 Jahren die Diskussionen, was wir denn gegen Auswirkungen des Klimawandels machen können. Das kam ja alles so unerwartet.
Und dann kommt immer noch das Argument, die alten Generationen hätten alles aufgebaut und den Wohlstand aufgebaut. Da waren alles mindestens Trümmerfrau, haben in der Fabrik UND auf dem Bauernhof gearbeitet und gleichzeitig zehn Kinder großgezogen. Ich mag diese Übertreibungen nicht, aber so wird das ja immer dargestellt. Und das Ganz natürlich nicht für sich selbst, alles nur für die folgenden Generationen, also für uns. Und dann sind wir so undankbar und weisen auf Umwelt- und Klimaschäden hin, erwähnen Ausbeutung andere Länder für billige Arbeitskräfte oder Rohstoffe. – Frechheit!
Und dann nennen sie den hinterlassenen Trümmerhaufen mit all seinen schier unlösbaren Problemen auch noch „Wohlstand“. – Das finde ich frech!
Wie schon erwähnt, bin ich auch nicht mehr der Jüngste. Ich habe schon 2/3 meiner geplanten produktiven Zeit hinter mir. Allerdings fühle ich mich gedanklich eher den jüngeren Menschen zugeordnet. Dieses ewige Genörgel über die angeblich schlechte Jugend, die faulen Studenten und Teilzeitarbeiter geht mir so dermaßen auf den Sack.
Glauben die „Alten“ wirklich, es würde immer so weitergehen, so wie sie es ihr Leben lang gemacht haben? Das hat doch genau zu dieser Situation geführt, in der wir aktuell in Deutschland und weltweit sind. Es sind dringend große Veränderung notwendig und stattdessen wird von der Generation Merz alles ausgebremst.
Reiche und alte Menschen bestimmen über die Zukunft und zwar nicht im Interesse der folgenden Generationen. Ich bin leider auch wenig optimistisch, dass sich wirklich noch mal grundlegend was ändert und die Menschheit das Ruder rumgerissen kriegt.