Ich weiß gar nicht, wer die Diskussion in den letzten Tagen so angefacht hat, aber es gibt eine neue Sau, die durchs Dorf getrieben wird: Ein Verbot von Social-Media für Jugendliche.
Australien hat kürzlich damit angefangen und nun meinen einige Staaten, sie müssten diese umstrittene Maßnahme mal schnell übernehmen. Einfach mal machen. Hauptsache man macht was. Wofür oder wogegen weiß keiner so genau. Aber, wichtig, es geht um unsere Kinder. Wobei, eigentlich haben die Wenigsten, die so ein Verbot fordern tatsächlich Kinder im entsprechenden Alter.
Beim Alter geht es ja schon los mit der Uneingkeit. Meistens werden 16, 15 oder 14 Jahre als Altersgrenze gefordert.
Wie eine Altersüberprüfung rein technisch vonstatten gehen soll, ist auch noch unklar. In Australien konnten die Systeme durch ultrafieses Hacking, wie z.B. aufgemalte Bärte ausgetrickst werden.
Jetzt spriessen Startups aus dem Boden, die die Alterserkennung angeblich ohne Manipulationsmöglichkeiten anbieten. Etwa Border Age. Hier in einem „Interview“ mit dem Deutschlandfunk, dass eher wie eine Werbesendung klingt. Sie versrpechen 99% Genauigkeit. Also bei 100.000 Nuetzern 1.000 Fehler. Es klingt auch so, als hätten sie das Training ihrer KI nur mit jungen Menschen durchgeführt und nur in Frankreich. Sie müssen aber eigentlich auch mit älteren Menschen trainieren. Was nämlich Viele vergessen: Es muss ja das Alter von allen Nutzern überprüft werden. Jeder muss beweisen, dass er mindestens X Jahre alt ist, auch der 75-jährige Silver-Surfer.
Tatsächlich bietet der elektronische Personalausweis eine entsprechende, datenschutzfreundliche Möglichkeit an. Der Platformbetreiber muss ja nur wissen, ob eine Person über dem entsprechenden Alter ist. Die Abfrage des Personalausweises kann so gestaltet werden, dass eben nur diese Info weitergegeben wird. Kein Name, keine Adresse usw. Leider gibt es diese Möglichkeit auf der EU-Ebene nicht. Da gilt wie bei der Elektronischen Patientenakte: Alles oder nichts.
Aber jetzt fordert Friedrich Merz ja auch sogar eine Klarnamenpflicht im Internet. Passt doch alles gut zusammen. Komplettes Nackigmachen im Internet. Datenschutz war gestern. Und alles unter dem Deckmantel, Kinder zu schützen.
Ich sehe es eher so, dass Eltern und Schule den Kindern Medienkompetenz beibringen sollen. Eltern sollten sich um die installierten Apps auf den Geräten kümmern und die Medienzeit auf ein altersgemässes Niveau begrenzen.
Social Media birgt nicht nur Gefahren, es ist für viele junge Menschen DAS Kommunikationsmittel.
Vielleicht sollte man mal lieber Druck auf die Social-Media-Platformen machen, dass dort nicht extreme Meinungen besonders hoch gerankt werden und dass die Verbreitung von Fake-News verringert wird.
Davor sind nämlich auch viele Älteren nicht gefeit. Dazu zum Abschluss noch ein passender Link auf „Der Postillion“ „Die fallen auf jeden KI-Müll rein“ – Jugendliche fordern Social-Media-Verbot für Menschen über 40